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Virtuelle Vortragsreihe: Zeitzeugenschaft / Geschichtsbilder / Deutungsmacht. (Wie) verändert KI unser Verständnis der Vergangenheit?

Juni – Oktober 2026, jeweils Donnerstag, 13-14 Uhr
die Einwahldaten werden nach
der Anmeldung verschickt

kontakt@igdj-hh.de

Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Hamburg) und Professur für Digital Humanities und
hybride Bildungs- und Kommunikationsräume an der Universität und Fachhochschule Erfurt

Veranstalterinnen: Nina Brolich (Erfurt), Helena Geibel (Hamburg), Anna Menny (Hamburg), Anna
Neovesky (Erfurt)


Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern grundlegend, wie wir
Vergangenheit erforschen und verstehen. Durch die automatische Auswertung riesiger Datenmengen, Mustererkennung in Texten und Bildern sowie die Erzeugung von Inhalten eröffnen sich neue Formen der Wissensproduktion und wandelt sich unser Quellenverständnis. Der Einsatz von KI erfordert neue Formen der Quellenkritik und ein Bewusstsein für Grenzen und Macht algorithmischer Systeme.
Im Rahmen der Vortragsreihe sollen verschiedene Aspekte betrachtet werden: KI und Holocaust Education, Potenziale des Machine Learning bei der Analyse von Emotionen in Selbstzeugnissen zum Holocaust, der Einsatz von KI bei der Strukturierung historischer Forschungsdaten sowie KI-generierte Bilder im Kontext jüdischer Geschichte und des Holocaust auf Social Media.
Leitend sind dabei die Fragen: Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich für die Wissensproduktion? Wie verändert sich unser Quellenverständnis? Welche Herausforderungen und Gefahren entstehen? Wie verändern sich Geschichtsbilder und wie verändert sich unser Verständnis von Vergangenheit?


Donnerstag, 10. September 2026, 13-14 Uhr
Daniel Burckhardt (Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam)
Vom Archivkarton zum Datensatz: Die KI-gestützte Strukturierung der Erna Magnus Collection

Dieser Vortrag präsentiert einen innovativen Workflow der Digital Humanities: Es wird aufgezeigt, wie die Erna Magnus Collection des Leo Baeck Institute, rund 800 Karteikarten zu Hamburger Jüdinnen und Juden zwischen dem 18. und frühen 20. Jahrhundert, mithilfe eines offenen multimodalen Sprachmodells (LMM) automatisiert in einen semistrukturierten, maschinenlesbaren Datensatz transformiert wurde. Dieses Verfahren ermöglicht eine erste quantitative Auswertung des Bestandes. Darüber hinaus illustriert das Projekt prototypisch die „Datifizierung“ serieller Aktenbestände. Es zeigt das Potenzial, aber auch die Notwendigkeit und den Umfang kuratorischer Nacharbeit bei einer solchen KI-gestützten Quellenaufbereitung.

Daniel Burckhardt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam mit dem Forschungsschwerpunkt Digitalisierungsstrategie. Zugleich arbeitet er an dem DFG-geförderten Projekt „German History in Documents and Images“ am DHI Washington, Washington DC, mit und ist Mitglied in den Steuerungsgruppen von H-Soz-Kult und des DTA-Basisformats.


Donnerstag, 8. Oktober 2026, 13-14 Uhr
Clara Mansfeld (Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte)
Bilder, die nie waren – Generative KI als Herausforderung für die historisch-politische Bildung

KI-generierte Fake-Bilder, die vermeintlich Szenen aus den nationalsozialistischen Lagern zeigen, fluten das Internet. Auch andere historische Epochen werden mit KI-generierten Visualisierungen reimaginiert. Die Motivlage hinter diesen Generierungen ist komplex. Der Impuls-Vortrag ordnet sie ein, beschreibt daraus entstehende Herausforderungen für die historisch-politische Bildung und fragt danach, wie wir zukünftig mit visuellen Leerstellen der Erinnerungskultur umgehen können.

Clara Mansfeld ist Mitarbeiterin in der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte und dort in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit zuständig für die strategische Weiterentwicklung und Koordinierung der digitalen Projekte sowie digitale Kommunikation. Zuvor hat sie bereits an verschiedenen anderen Gedenkstätten gearbeitet und war von 2017 bis 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Europäischen Kolleg der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie gehört zu den Mit-Initiator*innen des Offenen Briefes „Konsequentes Vorgehen gegen KI-generierte Holocaust-Verfälschungen auf Social-Media-Plattformen“.

Digitales Archivgut – Traum und Alptraum III

Drei Impressionen aus jüngster Zeit:

Auf der Digitalkonferenz re:publica, die vom 8. bis 10. Mai 2017 in Berlin stattfand, herrscht weitgehend Ahnungslosigkeit über das, was Archive sind und tun. Und das nicht in irgendeiner Session, sondern bei einer Veranstaltung unter dem Titel „Das kulturelle Gedächtnis und die digitalen Geisteswissenschaften“. Näheres hierzu im Blog des LWL Archivamtes, Beitrag von Antje Diener-Staeckling zum Meet-up auf der re:publica: „In den Hinterzimmern der digitalen Revolution oder warum Archive Fallschirme sind“.

Im Ergebnis einer Umfrage zur Situation der Archive in Sachsen Anfang 2017 muss konstatiert werden, dass die sächsischen Archive (und sicher nicht nur diese) bis auf wenige Ausnahmen  bisher nicht in der Lage sind, archivwürdige elektronische Unterlagen auch tatsächlich zu archivieren. Näheres hierzu im Blog des Landesverbandes Sachsen im Verband deutscher Archivare und Archivarinnen, Beitrag zum Thema “Elektronisches Achivgut”. Zur Einordnung sei ein Hinweis auf die Personalsituation und die (oft fehlende) Unterstützung durch IT-Fachpersonal erlaubt. „Digitales Archivgut – Traum und Alptraum III“ weiterlesen

Digitales Archivgut – Traum und Alptraum II

“Das Gedächtnis des Staates wird digitalisiert”: Die historische Forschung sollte sich von der Überschrift zu diesem (durchaus empfehlenswerten) Deutschlandfunk-Beitrag vom 20. August nicht in die Irre führen lassen. Die deutschen Archive sind weit davon entfernt, “bald alle Archiv-Inhalte per Mausklick verfügbar” machen zu können. Nur ein Beispiel: Von den 334 Kilometer Schriftgut im Bundesarchiv waren laut Jahresbericht des Bundesarchivs in “Forum”, Ausgabe 2015, “trotz des Einsatzes signifikanter finanzieller Mittel immer noch deutlich weniger als ein Prozent der Aktenbestände” digitalisiert.

Die Diagnose “Traum und Alptraum” besteht fort.

 

Digitales Archivgut – Traum und Alptraum

Anlässlich des von der Mediävistin Eva Schlotheuber (Düsseldorf) und dem Zeithistoriker Frank Bösch (Potsdam) veröffentlichen Papiers über “Quellenkritik im digitalen Zeitalter: Die Historischen Grundwissenschaften als zentrale Kompetenz der Geschichtswissenschaft und benachbarter Fächer”, veröffentlicht bei HSozuKult und im Blog des Historikerverbands, drei Bemerkungen:

1. Das Zeitalter mag digital sein; das bis in die 1990er Jahre entstandene Archivgut in den kommunalen und staatlichen Archiven in Deutschland wird aber – bis auf geringe Ausnahmen – ausschließlich analog bleiben. Dazu nur eine Zahl aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg, das schon früh in die Digitalisierung von Archivgut eingestiegen ist: 2011 stufte das Landesarchiv von den damals rd. 145 laufenden Kilometern Gesamtbestand 10,5 laufende Kilometer als prioritär für die mittelfristige Imagedigitalisierung ein. Dabei sind ca. 88 Millionen Einzelseiten zu digitalisieren – die dann ca. 7% (sic!) des Gesamtbestandes abbilden werden.  „Digitales Archivgut – Traum und Alptraum“ weiterlesen

5 Fragen zur Digitalen Geschichtswissenschaft an…Wolfgang Schmale

Wolfgang Schmale ist Professor für Geschichte der Neuzeit sowie derzeit auch Vizedekan der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Wien. Dort lehrt er seit 1999 und hat sich als Verfechter einer kulturwissenschaftlich basierten Perspektive auf digitale Geschichtswissenschaft und Digital Humanities einen Namen gemacht. Die Verwendung digitaler Tools ist in zahlreichen von ihm geleiteten Projekten mittlerweile Normalität. Darüber hinaus hat er ein breites Arbeitsfeld von europäischer Identitätsgeschichte bis zu Erdteilallergorien und von der Körper- zur Verfassungsgeschichte. Einschlägige Buchveröffentlichungen zur Digitalen Geschichtswissenschaft: Digitale Geschichtswissenschaft, (mit Marie-Theres Tinnefeld:) Privatheit im digitalen Zeitalter, (mit diversen Co-Autoren:) E-Learning Geschichte.

1. Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: “Digitale Geschichtswissenschaft ist für mich…”
Da muss ich „5 Fragen zur Digitalen Geschichtswissenschaft an…Wolfgang Schmale“ weiterlesen

Konf.: Papsturkundenforschung zwischen internationaler Vernetzung und Digitalisierung: Neue Zugangsweisen zur europäischen Schrift- und Kanzleigeschichte

Internationale Konferenz: Papsturkundenforschung zwischen internationaler Vernetzung und Digitalisierung: Neue Zugangsweisen zur europäischen Schrift- und Kanzleigeschichte.
Tagung im Rahmen des
BMBF-Projektes “Schrift und Zeichen”

 Tagungshomepage

24.-25. März 2014

Historisches Kolleg München, Kaulbachstraße 15, 80539 München

Anmeldefrist: 14. März 2014. (GHW_AT_lrz.uni-muenchen.de)

Teilnahmegebühr (Barzahlung vor Ort): 20,- Euro
Studierende: 10,- Euro

Tagungsprogramm als PDF

In der Erforschung der Geschichte des Papsttums gewinnen europäische Perspektiven gegenüber nationalen Sicht- und Herangehensweisen immer stärker an Gewicht. Zugleich lassen die ausgedehnten Digitalisierungsmaßnahmen der jüngeren Zeit eine intensive Vernetzung europäischer Forschungsinstitutionen möglich und erstrebenswert erscheinen. Das europaweite Zusammenwachsen der historischen Forschung führt zu einer nachhaltigen Erweiterung der Forschungsfragen, aber auch zu neuen Problemen.

Durch die rasch fortschreitende Digitalisierung in geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschungsdisziplinen werden deren Strukturen und Methoden schneller, effektiver und moderner. Zwar wird der Integration von EDV-basierten Arbeits- und Analyse-Instrumenten vielfach noch immer mit Skepsis begegnet; andererseits lässt sich aber eine hohe Erwartungshaltung gegenüber digitalen Werkzeugen konstatieren. Nicht zuletzt zeigt sich eine große Diskrepanz zwischen den aktuellen technischen Möglichkeiten der EDV und den methodischen Anforderungen der Geisteswissenschaften.

Ziel der Tagung ist es daher, international führende Forscher aus den Bereichen Mittelalterliche Geschichte, Historische Grundwissenschaften und Automatische Mustererkennung zusammenzuführen, um über Erfahrungen, Chancen und Herausforderungen zu diskutieren, welche die zunehmende europäische Vernetzung, die Digitalisierung und die wachsende Kooperation unterschiedlicher Forschungsdisziplinen für die Forschung an mittelalterlichen Papsturkunden bedeuten.   „Konf.: Papsturkundenforschung zwischen internationaler Vernetzung und Digitalisierung: Neue Zugangsweisen zur europäischen Schrift- und Kanzleigeschichte“ weiterlesen